Steinwüste in der Nachbarschaft…

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Berufsbedingt fahre ich ab und an durch frisch erschlossene und bebaute Wohngebiete. Das macht mich zunehmend depressiv. Denn ich sehe dort fast ausschließlich graue Steinwüsten und meterhohe Zäune. Eigentlich sind es eher Einfriedungen. Diese bestehen meist aus Metallgittern, die wiederum von blickdichten Kunststoffstreifen verschiedener Grautöne durchwirkt sind. Passend dazu sind manchmal monotone Gabionen in regelmäßiger Folge angeordnet.

Auf mich wirkt das Ganze ungefähr so steril und leblos, wie ein Foto aus dem LEGO-Prospekt. Beim Anblick dieser – aus meiner Sicht – ohne Herz gestalteten Außenanlagen, fällt mir manchmal nur noch das Wort Friedhof ein.

Gewiefte Werbestrategen der Baumarktketten entdeckten solcherlei Gartengestaltung vor einiger Zeit als neues Geschäftsmodell. Sie bewerben es seitdem massiv. Dazu haben sie ihr Angebot noch schnell um Outdoor-Plastikmöbel in Rattan- oder Holzoptik erweitert und verdienen sich nun goldene Nasen. Es lebe die sterile Gartenwelt. Da weilt man doch sehr gern, oder?

Die Natur bleibt hier leider ausgesperrt. Derlei Vorgärten sind nach dem Verlegen von Flies – unterhalb der Zierkies- oder Schotterflächen – nämlich ähnlich fruchtbar, wie die Mondoberfläche. Pflanzen und Tiere? Fehlanzeige! Für sie gibt es keine Lebensgrundlage. Das Tolle ist ja gerade, dass kein Rasen mehr gemäht, kein Unkraut mehr gezupft, kein Wespennest mehr entfernt werden muss.

Menschen, die dann auf einer derart hergerichteten Wohnparzelle leben müssen, hören tagsüber weder das Summen irgendwelcher Insekten, noch das Gezwitscher von Vögeln. Sie wissen nicht, wie Löwenzahn oder Klee aussieht. Und was waren denn nochmal Gänseblümchen oder Mistkäfer…??

Stattdessen sind diese Zeitgenossen gezwungen, sich jedesmal in den Park oder in den Wald zu begeben, vermissen sie vielleicht doch etwas Grün oder wollen sie gefiederte Piepmätze sehen.

Ich kann‘s wirklich nicht nachvollziehen. Denn ich sitze gern am Fenster und beobachte Vögel, die Regenwürmer aus dem Boden ziehen oder Hummeln, die zum Nektarsaugen auf bunten Blumen Platz nehmen. Ich freue mich, wenn Pflanzen über das Jahr hinweg Formen und Farben ändern, wenn sie Blüten und Früchte ausbilden.

Im Netz gibt es übrigens eine Seite, auf der eine große Anzahl der sogenannten Gärten des Grauens (Steinwüsten und ähnliche Sünden) dokumentiert ist. Aber das nur am Rande…

Glücklicherweise sickerte bei vielen Kommunen mittlerweile durch, dass diese Gärten des Grauens eigentlich nur Nachteile birgen. Die Biodiversität leidet. Keine oder wenige Pflanzen bedeuten, dass weniger Kohlendioxid aufgenommen, weniger Sauerstoff abgegeben wird. Die klima- und temperaturregelnde Wirkung von Pflanzen entfällt hier.

Vielerorts überlegen daher Abgeordnete von Stadt- und Gemeinderäten, diese Art und Weise der Gartengestaltung zu unterbinden.

Insekten und Singvögel würden sich auf jeden Fall freuen. Und Leuten, wie mir, würde es wieder Spaß bereiten, führen sie durch neue Wohnquartiere…

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