Heimbüro

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Corona macht’s möglich: Das Heimbüro! Als ehemals Selbständiger kenne ich das natürlich. Und ich bin froh, dass ich es in Corona-Zeiten nun als Angestellter nutzen darf. Mir geht es da vergleichsweise gut. Andere Erwerbstätige wurden durch das Kontaktverbot nämlich vollkommen ausgebremst, weil sie z.B. im Friseursalon, Kosmetik- oder Fitnessstudio (…) ihr Geld verdienten.

Unsere auf Konsum, Aktion, Abwechslung, Sport oder Spaß ausgerichtete Gesellschaft gerät ins Taumeln. Viele wünschen sich, gerade zu Ostern, dass die verordneten Einschränkungen zurückgenommen werden – lässt die Anzahl der Neuinfizierungen doch langsam nach. Wann sehen wir Freunde oder Verwandte wieder? Wann können wir wieder Geburtstage, Hochzeiten, Konfirmationen, Jubiläen oder Scheidungen feiern? Wann dürfen wir wieder Sport treiben oder ins Stadion, ins Museum, ins Kino, ins Theater? Wann dürfen wir wieder reisen?

Ich glaube, dass es für derartige Aktivitäten einfach noch zu früh ist. Der Höhepunkt der Pandemie ist nämlich noch nicht erreicht – wir benötigen also Geduld. Massenveranstaltungen und große Menschenansammlungen müssen weiterhin tabu sein! Leichtsinn und Verantwortungslosigkeit können sich böse rächen.

Vielleicht aber ist es sinnvoll, andere Restriktionen schrittweise wieder zurückzunehmen. So sollten, auch aus wirtschaftlichen Gründen, viele kleine Geschäfte wieder öffnen dürfen. Natürlich unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln. In vielen Bäckereien – sie waren von den Schließungen nicht betroffen – werden beispielsweise höchstens zwei Einkaufende gleichzeitig bedient. Weitere Kunden bleiben draußen, vor der Tür – in einer Schlange mit jeweils zwei Meter Abstand zwischen den Wartenden.

Auch Schulen sollten wieder öffnen. Kinder und Jugendliche müssen sich austoben und verwirklichen und dabei mit anderen messen dürfen. Sie brauchen schlichtweg Aufgaben. Sie sollen lernen und für‘s Leben fit gemacht werden. Zu Hause gibt es irgendwann einen Lagerkoller.

Es ist verdammt schwierig, hier die richtigen Wege zu gehen. In dieser nie da gewesenen Ausnahmesituation weiß niemand, was richtig oder falsch ist. Aber die Politiker müssen irgendwann entscheiden, was passieren soll. Bisher, so denke ich, lagen sie mit den ausgegebenen Regelungen immer richtig. Ich hoffe, dass es auch weiterhin so bleibt.

In anderen Ländern treiben Verantwortliche nämlich ein makabres Spiel. Sie verbreiten Unwahrheiten und wollen sich nur profilieren. Schließlich ist ja bald wieder eine Wahl (…). Es gibt ebenfalls Staatsoberhäupter, die den Ausnahmezustand proklamieren und dazu nutzen, um Sondergesetze zu beschließen, welche die Freiheiten der Bürger einschränken. In der postcoronalen Zeit werden diese Gesetze wahrscheinlich nicht mehr zurückgenommen. So nehmen diese Autokraten die Pandemie zum Anlass, die eigene Macht weiter zu untermauern und auszubauen. Wie armselig!

Ich werde in meinem Heimbüro die nächsten Wochen also fleißig sein und der Dinge harren, die da kommen. Ich hoffe, dass der jetzige Zustand nicht mehr allzu lange andauern wird und sich alle an die vorgegebenen Regeln halten. Nur so haben wir eine Chance, Corona zu besiegen!

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