Unsere Welt ächzt hörbar – doch was können wir dagegen tun?

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Das ist die Frage aller Fragen. In einer Zeit, in der wir – Corona bedingt – wirklich ins Grübeln kommen, relativiert sich vieles. So überlegen wir uns, ob wir dauernd in den Urlaub fliegen müssen, wir konsumieren weniger, schränken uns also in vieler Hinsicht. Was vor Corona undenkbar war, gelingt plötzlich. Wir erzeugen weniger Treibhausgase, das Umherjetten in der Welt nimmt spürbar ab. Airlines und Flugzeugbauer entlassen Personal. Fahrradläden können sich vor Neukunden kaum retten.

Gestern kam das Forschungsschiff Polarstern von einer langen Arktis-Expedition zurück. Anhand gesammelter Daten wurde bestätigt, dass der Klimawandel in vollem Gange ist. Und die damit zusammenhängenden Konsequenzen sind viel schwerwiegender, als bei Corona. Wir müssen unsere Gesellschaft komplett umbauen, wollen wir das Ruder noch herum reißen. Mehr Gemeinschaft und Teilhabe, statt Egoismus und Arroganz – das ist der richtige Weg. Auch wenn es schmerzlich ist: Um unseren Planeten zu retten, müssen wir in dieser überdrehten, nur noch auf Wachstum fokussierten Welt endlich anfangen, ein paar Schritte zurück zu gehen!

Die Wirtschaft kann nicht unbegrenzt weiter wachsen. Unsere Ressourcen sind nämlich irgendwann aufgebraucht. Der Earth-Overshoot-Day (Weltüberlastungstag) rückt im Kalender jährlich weiter nach vorn. Würden alle Staaten so viel Energie oder Rohstoffe verbrauchen, soviel Unrat und Abgase in die Umwelt entlassen, wie wir in Deutschland, bräuchten wir drei (!) Erden. Unterbewusst wissen wir alle, dass unser Planet eigentlich nur noch mit einer Vollbremsung zu retten ist. Auf die Politik zu warten, hat dabei keinen Sinn. Denn PolitikerInnen, die Rückschritte und weniger Konsum verordnen, werden nicht gewählt. Es muss immer bergauf gehen. So lautet das Motto.

Corona führt nun zu einer ungewollten Entschleunigung. Der Motor läuft langsamer. Die Natur atmet etwas auf. Wir werden besinnlicher, demütiger. Wir bemerken plötzlich, wie schön unser Zuhause sein kann. Corona öffnete uns in gewisser Weise also die Augen. Warum in die Ferne schweifen, das Gute liegt so nah!

Wofür arbeiten wir eigentlich 40 Stunden in der Woche? Warum schwören wir diesem ganzen Konsum nicht einfach ab? Reichen nicht auch 20 Wochenstunden Arbeit, wenn wir weniger konsumieren, wenn wir nachhaltiger leben? Würden wir Dinge länger nutzen, sparten wir nämlich eine Menge Geld. Klamotten kaufen wir künftig im Second-Hand-Shop. Frisches Gemüse oder Kräuter bauen wir selbst an oder treten einer Genossenschaft bei. Defekte Gebrauchsartikel etc. tauschen wir nicht sofort aus, sondern bringen sie ins Repair-Café. Mit Nachbarn gebrauchen wir gemeinsam Werkzeuge, Rasenmäher oder Küchengeräte, die wir allein eher selten benutzen. Wir fahren mit Öffies und bedienen uns in dringenden Fällen dem Carsharing. Wir haben es also selbst in der Hand. Es würde funktionieren!

Wie schon beschrieben ist es sinnlos, hier auf die Politik zu warten. Sie ist auf Wachstum ausgerichtet und wird die Industrie wegen der vielen, vielen Arbeitsplätze bis zuletzt unterstützen. Fangen wir also als Einzelne/Einzelner an, unseren derzeitigen Lebenswandel zu hinterfragen und bestenfalls zu ändern. Werden wir zu Vorreitern, zu Menschen, die den Leuten zeigen, dass es auch anders geht und man trotzdem glücklich und zufrieden ist!

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