Die immer wiederkehrende Verabschiedung des alten Jahres…

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Als kleiner Junge war ich von Knallern fasziniert. Über dunkle Kanäle kam ich – unter Aufbietung meines gesamten Taschengeldes – an einen Teppich Ladykracher oder mal an einen China-Böller heran.

Alt genug, diese Teile im freien Handel zu erwerben, war der Reiz weg – bis heute! Der Brauch, das ausklingende Jahr lautstark zu verabschieden und Geister zu vertreiben, ist irgendwie nachvollziehbar und schon uralt. Früher wurde z.B. mit langen Lederpeitschen geschnalzt. Das macht Krach, ist dabei aber nicht umweltschädlich.

Durch unsere heutige Knallerei zu Silvester hingegen, blasen wir bundesweit in wenigen Stunden vergleichsweise etwa die Menge Feinstaub in die Luft, die hierzulande innerhalb von 60 Tagen durch den gesamten (!) Straßenverkehr erzeugt wird.

Wir diskutieren über Fahrverbote, Geschwindigkeitbegrenzungen usw., aber bei der Knallerei drücken wir sämtliche Augen zu. Natürlich ist vielen Menschen dieser Vergleich auch nicht bewusst. Ginge es nach mir, veranstalteten die Kommunen öffentliche Feuerwerke oder Lasershows. Alles andere sollte stark eingeschränkt werden.

Ich weiß, Verbote sind immer krass und laden dazu ein, dass man sie bricht. Wir wäre es denn, sich testweise einfach mal darauf einzulassen, nicht zu knallen. Also ähnlich, wie beim Fasten. Hier klappt es in der Zeit nach Aschermittwoch ja auch, mal sieben Wochen ohne Alkohol oder Süßigkeiten (…) auszukommen. Und hinterher sind wir sogar stolz darauf, es geschafft zu haben. Mir geht es jedenfalls so.

Würden wir es tatsächlich hinbekommen, öffentliche Feuerwerke oder Lichtshows zu betrachten und nicht mehr selbst herumzuknallen, würden Häuser nicht brennen, Finger hingen weiter an den Händen, mancher würde weiterhin mit beiden Augen sehen, Wild- und Haustiere müssten ihre Schwänze nicht tagelang einklemmen und leiden.

Und wir blieben natürlich von großen Mengen Müll verschont, die wir noch Tage nach der großen Fete allerorts zu ertragen hätten. Denn die wenigsten räumen die Überreste der Knallerei weg. Das ist wahrscheinlich uncool…

Das gesparte Geld (Böller, Raketen, Reinigungskosten, Schadenbeseitigung) könnte dann gespendet werden und beispielsweise in soziale Einrichtungen fließen. Es könnten davon aber auch Kindergärten oder Schulen renoviert oder einfach nur Bäume gepflanzt werden. Sinnvolle Alternativen, oder?

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